Sabeth
Produktion: ORF 1962 80 Min. Regie: Axel Corti Komposition: Bert Breit
Inhaltsangabe: Die Dorfschullehrerin Therese Weisinger erfährt eines Tages von einem kleinen Mädchen, daß auf dem einsamen Hof von dessen Eltern ein Rabe, der fast so groß ist wie ein Mensch, aus- und eingeht, der auch langsam das Sprechen gelernt hat. Er wird Sabeth genannt. Die Lehrerin lernt den seltsamen Raben auch kennen, doch als dieser immer menschenähnlicher in seinem Denken wird, erkennt er, daß er wieder verschwinden muß. Wer er wirklich gewesen ist und woher er kam, hat er vergessen. Die Menschen, die ihn kannten, verwinden den Einbruch des Irrationalen wieder, nur das kleine Mädchen kann und will Sabeth nicht vergessen.
Sabeth gibt es in 7 unterschiedlichen Hörspiel Versionen. Ich habe mir die vom ORF angehört.
Auf einem Feld einer Bauernfamilie tauchen zum ersten Mal die schwarzen Raben, auf die so groß wie ein Mensch sind. Als der Bauer, der beim Auftauchen gerade zusammen mit seiner Frau das Feld pflügt, die Raben zum ersten Mal wahrnimmt,
empfinden er und seine Frau keinerlei Furcht. Der Frau ist es so als ob sie
die Raben schon lange kennt, obwohl sie die Raben zum ersten Mal in ihrem Leben sieht.
Seltsam ist auch, dass die
menschengroßen Raben alle stumm sind und keine krächzenden Laute von sich geben. Die Bauernfamilie beginnt unter dem Einfluss der Raben närrische und seltsame Dinge zu machen, ist aber glücklich dabei. Zum Beispiel schleppt die Familie das Klavier in den Wald, wo die Raben sind, und Elisabeth soll ihre neu gelernten Lieder vortragen, und die ganze Familie fängt an zu singen.
Eines Tages sind alle großen "menschlichen Raben" wie vom Erdboden verschluckt und verschwunden, bis auf einen einzigen.
Als Sabeths (der als einziger
Übriggeblieben ist) Gefährten eines Tages davonfliegen, bleibt er allein zurück: die beglückend-bedrückende Erscheinung aus einer anderen Welt, in der man kein Gedächtnis braucht, um sich an seinen Ursprung zu erinnern, und in der die Ewigkeit so lange dauert, wie die Zeit zwischen Ruf und Echo.
Die erste Begegnung der Dorfschullehrerin mit dem Raben Sabeth ist unheimlich. In der Küche der Bauernfamilie, wo Sabeth lebt, findet ein Gespräch statt zwischen der Bauersfrau und der Lehrerin. Die Lehrerin hat auf Grund der Aussagen von dem Kind der Bauernfamilie einen Besuch auf dem Hof abgestattet und erfährt einiges über den zum Menschen gewordenen Raben von der Bäuerin. Während dieses Gesprächs wird plötzlich die Tür einen kleinen Spalt geöffnet und die Bäuerin ruft: "Nein, Sabeth, bleib bitte draußen!" Die Lehrerin sagt, dass sie Sabeth aber unbedingt gerne sehen möchte, und stößt einen erschreckten Schrei aus, als Sabeth
durch die Tür hereinkommt. Sabeth kann sogar sprechen und nach anfänglicher Scheu der Lehrerin, unterhält sich Sabeth mit ihr über seine Geschichte. Die Lehrerin möchte gerne von ihm wissen, wie er das Sprechen gelernt hat und warum. Aber Sabeth kann sich nicht mehr daran erinnern, warum und wie er plötzlich sprechen konnte. Er weiß nur noch das seine Freunde, die anderen Raben plötzlich verschwunden waren, nachdem er
sprechen konnte.
Sabeth hilft der Bauernfamilie auf dem Feld mit und freundet sich mit Elisabeth, der Tochter der Bäuerin an. Sie nennt den Raben Sabeth, weil er das Wort "Elisabeth" nicht aussprechen kann.
Sabeth fühlt sich als Ausgestoßener aus seiner Welt und sehnt sich danach, in seine Welt zurückzukehren. Aber er denkt auch mit Schrecken daran, die menschliche Welt zu verlassen, weil er sich in ihr wohl fühlt.
Sabeth fragt in einem der vielen Gespräche mit der Lehrerin, ob er eventuell einen Auftrag bekommen habe, der ihn zum "Menschlichen Raben" werden ließ. Die Lehrerin entgegnet ihm, das wir Menschen das nicht wissen, und fragt Sabeth, aus welchem Grund er diesen Auftrag bekommen hätte können. Sabeth sagt, dass es vielleicht gar keine "Gründe" in seiner Rabenwelt gibt.
Die Lehrerin versucht hinter das Geheimnis des Raben zu kommen.
Sabeth erzählt der Lehrerin von einem Baum, den er in einer schönen Strasse sah und dort, als er den Baum ansah, wußte er auf einmal alles und konnte sich an alles erinnern, nur hat er es im selben Moment des Erinnerns sofort wieder vergessen. Sabeth hat Angst, seitdem seine Freunde
- die anderen Raben - verschwunden sind, und daraufhin sagt die Lehrerin zu Sabeth: "Dann bleibe doch bei uns, wir lieben Dich!" Sabeth sagt dazu mit schwermütiger und seufzender Stimme: "Oh ja, die Liebe ist es glaube ich, die mich zu Euch gebracht hat, weil ihr
armen Menschen lieben könnt." Sabeth vermutet, dass seine Brüder, die anderen Raben, immer noch da sein könnten, aber er kann sie nicht mehr sehen. Er kann nur noch über die Felder fliegen und mit einer Art krächzendem Laut versuchen, seine Brüder zu rufen, doch sie scheinen unerreichbar für ihn zu sein.
Die Lehrerin fragt Sabeth, ob er vielleicht von einem anderem Planeten komme, aber das weiß Sabeth auch nicht mehr. In dem Moment, wo er Sprechen konnte, bekam er ein Gedächtnis und vergaß nach und nach, und später dann immer schneller und immer mehr, was er in seiner Welt erlebt hatte. Darüber ist Sabeth unendlich traurig.
Das Kind Elisabeth versucht in Spielen, Sabeth aufzuheitern.
Sabeth vermutet, dass seine "Rasse" geschlechtslos ist. "Warum?" fragt die Lehrerin erstaunt. "Weil ich mir nicht sicher bin, ob ich wirklich ein Rabe bin, vielleicht gibt es auch nur ein einziges Wesen, aus dem wir stammen." entgegnet Sabeth.
Sabeth, je mehr er die menschliche Sprache erlernt, vergisst auch mehr und mehr von seinem Ursprung.
Die Atmosphäre in dem wohl schönsten und poetischsten Hörspiel von Eich, reicht von unendlicher Traurigkeit bis zu völlig losgelöster Fröhlichkeit, bei der einem warm
um das Herz werden kann.
In diesem fantastischem Hörspiel spricht die Dorfschullehrerin mit teils angstvoller, aber auch mit froher Stimme. Die Stimme des "menschlichen" Raben klingt seltsam "verklärt" und sehr ruhig und zutraulich.
Das Hörspiel
"Sabeth" eignet sich gut als Einstieg in die umfangreiche und phantastische Hörspielwelt von Günter Eich, von dem es viele weitere Radio Hörspiele gibt, die alle einmalig und außergewöhnlich sind in der Atmosphäre und die zu den deutschen Hörspiel Klassikern der Nachkriegszeit gehören.
Eines seiner wohl bekanntesten Hörspiel ist "Träume", in dem Träume von Menschen in Gesprächen und Dialogen mit Geräuschen und Musik vermischt werden. Ich kann mich an die Szene in dem fahrenden Zug noch sehr gut erinnern. In dem Zug, der niemals anhält, sprechen Menschen über das, was wohl außerhalb des Zuges sein könnte und stellen dabei die phantastischsten Vermutungen an. Einige sehnen sich sehr danach, einmal in die Welt, die außerhalb des Zuges ist, ein blicken zu können; andere aber wollen auf keinen Fall einen Blick "nach draußen" wagen, und wiederum andere behaupten, dass es gar keine andere Welt außerhalb des Zuges geben würde und nur die Welt im Inneren des Zugs existiere.
Eine Biographie über Günter Eich gibt es auf
dieser Seite. Einige von seinen Gedichten kann man auf dieser Seite lesen. Infos und Bilder über den Ostsee-Ort Poberow, wo Günter Eich eine Zeit lang gelebt hat. Eine umfangreiche Linksammlung mit Links zu Webseiten, die sich alle mit Günter Eich beschäftigen. Am 10.02.04 wurde "Sabeth" sogar als Theaterstück im Schauspielhaus Bochum von Jugendlichen aufgeführt, hier ist der Veranstaltungshinweis dazu. Eine wundervolle Hommage über Sabeth und Günter Eich mit schwarz/weiß Fotografien Wenn man auf dieser Seite etwas runter scrollt bis zu dem fett gedruckten Wort Sabeth, dann kann man da einen weiteren Ausschnitt aus dem Hörspiel hören. Dies ist der Direktlink zu dem Ausschnitt. Auf den nächsten 3 Seiten gibt es Infos und Textausschnitte aus vielen Günter Eich Hörspielen: mediaculture-online.de 1 und mediaculture-online.de 2 und uni-stuttgart.deLiteratur Tipps zu wertvollen und interessanten Eich Büchern Dialog Text von dem Sabeth-Hörspiel Inhalts und Sprecherangaben von allen Eich Hörspielen stehen in diesem Archiv. |