Neues aus Uhlenbusch D, 1977 - 1982

Hersteller der deutschsprachigen DVD: Universal Family Entertainment

40 Episoden Deutsche Erstausstrahlung: 24.12.1977 (ZDF)

Inhalt:

Das norddeutsche Dorf Uhlenbusch hat alles, was es braucht: eine Post, einen Tante-Emma-Laden und viele Bauernhöfe. Briefträger Onkel Heini erzählt fröhliche, spannende und besinnliche Geschichten aus der Welt der Kinder, die hier prägende Erlebnisse für ihr Leben sammeln. Ein echtes TV-Erlebnis nicht nur für Menschen, die auf dem Lande aufgewachsen sind. Und das Titellied vom Gockel Konstantin, für den Schlafen keinen Sinn macht, ist längst ein wahrer Evergreen ... (Universal Family Entertainment)

Darsteller:

Hans-Peter Korff (Heini Lüders (Onkel Heini, der Briefträger)), Trude Breitschopf (Oma Piepenbrink), Hildegard Wensch (Tante Appelboom) und Moritz Bleibtreu

Drehbuch: Monika Bleibtreu u.a.

Regie: Regie: Thomas Draeger u.a.

Rezension:

Die Serie erweckt in mir ganz besonders schöne Kindheitserinnerungen, weil ich sie unheimlich gern gesehen habe. Buden bauen, mit dem Rad durchs Dorf, Bolzplatz, in Scheunen im Heu spielen, Schützenfeste, Hochzeiten ein Pannen-Traktor, Familienzwistigkeiten, Kinderstreiche in der Scheune oder kranke Omas - das sind sie, die Themen, die die Serie erzählt, ...da werden Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Jeden Sonntag sah ich jede Folge und war begeistert von Onkel Heini, dem lustigen Briefträger:

Mit seinen ulkigen Späßen hat er meine empfindliche Kinderseele verzaubert. Er ist Leitfigur durch die Episoden, und hat ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu Kindern und träumt genauso gerne wie sie. Onkel Heini ist eine geradezu schwejksche Figur, die sich den Regeln und Gesetzen der Erwachsenenwelt auf gewiefte und manchmal auch traurig-melancholische Weise zu entziehen wußte. Einige Folgen waren traurig, und da hat Onkel Heini mit nur ein ganz paar Witzen die Stimmung kolossal aufgelockert, und mir wurde dann immer ganz warm um das Herz.

An eine Szene kann ich mich noch besonders gut erinnern, die ist bei mir stark hängengeblieben, und zwar, als ein kleiner Junge durch die Straße läuft, die Luft anhält und somit auch die Zeit zum Stehen bringt und einigen Unsinn macht.

In der Folge: „Der heimliche Besuch“ tanzte er sogar zusammen mit Kindern und einer erwachsenen Frau einen griechischen Sirtaki. Die Atmosphäre während des Tanzens war grandios, locker, fröhlich und total ausgelassen. Man merkte den Kindern an, wie gerne sie tanzten und am Ende des Tanzes sagte ein süßes Mädchen: „Mir ist so duselig!“ Das fand ich niedlich.

Eine Frau war nicht beliebt im Dorf, man tuschelte über sie und dachte, sie wäre eine Hexe. Das Tuscheln wird von zwei Damen gespielt, die eine hat enorme Lockenwickler im Haar und die andere guckt ein wenig verächtlich. Der Gang der Kinder zu dem Bauernhof der Hexe war spannend, weil sie sich an das Haus langsam und vorsichtig heranpirschten. Sie stehen in einem Gemüsebeet mitten im Kohl. Die Frau begrüßt die Kinder mit dem Satz: „Ihr steht im Kohl!“ Sie läßt die Kinder in ihr Haus und zeigt ihnen ihre Bilder. Die Frau zeichnet ausschließlich Wüsten, weil sie dort früher eine Zeit lang zusammen mit ihrem Griechischem Freund gelebt hat. In einem ihrer Bilder hat sie Onkel Heini gezeichnet, wie er auf seinem „Klapperesel“ durch eine Wüste fährt. Als Onkel Heini dieses kunstvolle Gemälde erblickte, verließ er fröhlich trällernd das Haus der schönen Frau. Sie sieht tatsächlich sehr schön aus, besonders ihre feinen und klaren Gesichtszüge gefielen mir sehr gut. Die tuschelnden Damen halten die Frau leider irrtümlich für eine Hexe, weil sie sich etwas eigenbrödlerisch, eigensinnig und urig verhält. Die Frau kletterte auf einer flach auf dem Haus liegenden Leiter auf ihr Dach um die Ziegel zu richten. Als das die Kinder sahen, sagten ein Mädchen erstaunt: „Gleich fliegt sie!“ Die anfängliche zögerliche Begegnung der Kinder mit der Frau endet in dem Sirtaki Tanz, in dem man vor allen Dingen auch die Lebensfreude und Mut der Frau spüren kann.

Wunderschön war auch die Folge: „Werners Langeweile“, in der es um Werner geht, der so gerne zur Schule möchte, aber noch nicht darf, weil er noch sechs Monate warten muß. Sein Bruder geht auch schon zur Schule, und nun hat Werner keinen mehr zum Spielen und ihm ist schrecklich langweilig. Also geht er zur Oma Piepenbrink, dass ist die alte Verkäuferin im einzigen Tante Emma Laden in Uhlenbusch, und sagt er hätte gern einen schicken Schulranzen. Leider hat er nicht genug Geld, und so schreibt Oma Piebenbrink den Preis des Tornisters in das „Anschreibe Buch“. Mit der nagelneuen Schultasche trifft Werner auf ein Mädchen, das die Welt durch eine Streichholzschachtel betrachtet. In die Streichholzschachtel hat sie ein kleines Guckloch gebohrt, und die Zuschauer sehen nun einige Felder und Tiere in Uhlenbusch aus der Sicht eines Fernglases. Um den Bildschirmrand befinden sich plötzlich runde schwarze Balken, in denen eine wiederkäuende Kuh steht. Werner und das Mädchen legen ihr Ohr auf den Magen der Kuh, und durch die Lautsprecher des Fernsehers ertönen auf einmal Magengegrummel und Verdauungsgeräusche der kauenden Kuh. Da mußte ich laut lachen. Und so erleben die beiden Kinder einige feine Abenteuer, und Werner ist nun nicht mehr langweilig zu Mute. Schließlich gibt er den Tornister wieder Oma Piebenbrink zurück, die sagt: „Dann will ich mal gleich Deine Schuld aus dem „Anschreibebuch“ streichen. Dies ist meine Lieblingsfolge, weil Werner hat im Gesicht viel Ähnlichkeit mit einem meiner Spielkameraden, mit dem ich oft verrückte Abenteuer erlebt habe, und an den ich mich noch gut erinnern kann.

Aber auch Ängste der Kinder werden in der Serie angesprochen, z.B. in der Folge: „08 Kartoffelfeuer“ Dort spielen die Kinder meisterhaft ihre Angst, die sie vor dem dunklen Wald haben. Sie sitzen alleine um ein kleines Kartoffelfeuer und warten auf ihren Vater, der sie mit dem Traktor gegen Ende der Folge abholt. Die Kinder halten Kartoffeln über das Feuer und essen sie genüßlich auf. Das eine Mädchen geht in den Wald, um etwas mehr Brennholz zu holen. Sie kommt aber schnell wieder zurück, weil sie große Angst im Wald verspürt. Einer der Jungen schaut oft zu einem Gebüsch und meint, dass sich dort etwas „Schreckliches“ bewegen würde. Es sind aber nur die Zweige die sich im leichten Wind wiegen. Um ihre Angst zu überwinden, sagt einer der Jungen einen Zauberspruch auf, den er vorher bei Oma Piebenbrink gelernt hat: „Ich bin der Riese Fürchtenichts und habe keine Angst“ Dazu streckt er seine Arme simultan zu den Wörtern auf seine Brust und danach auf seine Beine. Dann kommt Onkel Heini auf einem Waldweg auf dem Rad wankend angefahren. Er hat bei einem Freund auf der anderen Seite des Waldes etwas gefeiert und einen „kleinen über den Durst“ getrunken. Die Kinder zittern, als sie eine gelbe große wankende Lampe im Wald sehen. Onkel Heini erschrickt, als er die Kinder sieht, und die Kinder schreien, weil sie sich auch erschrocken haben. Als sich alle beruhigt haben, spricht Onkel Heini einfühlsam mit den Kindern über deren Angst und dadurch haben die Kinder kaum noch Angst.

In: „Der einsame Hof“ spielt Karin ein Mädchen, dass sehr einsam auf einem alleinstehenden Hof wohnt. Der Hof liegt viele Kilometer von der Schule in Uhlenbusch entfernt. Karin wippt auf der Wippe zusammen mit einem Kartoffelsack, den sie zu gebunden hat; dass ist ihr „Wippfreund“ Ersatz. Als ich das sah, wie Karin trotz dieser Tragik mit einem zärtlichen Lächeln auf den Lippen zusammen mit dem Kartoffelsack wippte, kamen mir die Tränen, so rührend war die Szene. Karin läuft in den Wald und sagt in mitten einiger Bäume einen Abzählreim auf. Nach dem ein Baum „raus ist“ also abgezählt wurde, rennt sie zu dem abgezähltem Baum und umarmt ihn voller Freude und Liebe. Eines Tages lernt sie im Schulbus ein türkisches Mädchen kennen, die genauso wie Karin auf einem einsamen Hof wohnt. Als Karin bei dem türkischen Mädchen essen darf, lernt sie die vielen türkischen Geschwister des Mädchens kennen und beide Mädchen werden dicke und gute Freundinnen. Auf einem Abhang spielen sie so, dass sie sich gegenseitig in die Arme laufen können.

In: „Die arme Anne“ gibt es sogar eine surrealistische Traumsequenz, in der Onkel Heini in einem Hausflur auf meinem Riesen Ei stolziert. Anne ist arm und ihre reiche Freundin lebt bei reichen Eltern die eine florierende Eierfabrik besitzen. Onkel Heini mag die Fabrik Eier, die er geschenkt bekommen hat, nicht gerne und stolziert damit quer durch Uhlenbusch. Keiner will sie haben und so landet er schließlich mit den Fabrik Eiern wieder auf dem Hof der Eierfabrik. Dort setzt er sie ab und der Besitzer der Fabrik sagt: „Onkel Heini, pass auf Deine Eier!“ Da antwortet ihm Onkel Heini einfach nur: „Die kannst Du behalten.“ Die reiche Freundin von der armen Anne möchte wissen, warum die Flurtür, die zum Eingang der Fabrik führt, vernagelt und übertapeziert wurde. Sie weiß nicht, dass es eine Übergangstür ist, die direkt in die Fabrik führt; weil ihr das alles so unheimlich vorkommt, träumt sie von der Tür, die in ihrem Traum gleich cirka zehnmal mal vorhanden ist, und nach jedem Öffnen der Tür erscheint die gleiche Tür noch einmal. Die Besitzer der Eierfabrik, das sind die Eltern der reichen Freundin von der armen Anne, sind zunächst fest davon überzeugt, dass ihre Fabrik sehr fortschrittlich ist. Onkel Heini erklärt den Kindern was wirklicher Fortschritt ist. Er geht dazu einen großen Schritt nach vorne und zieht danach langsam sein anderes Bein nach. Echter Fortschritt sei also, wenn man einen Schritt nach vorne machen kann und dann mit dem anderen Bein noch nachkommt. Als die reiche Freundin von der armen Anne ihre Eltern fragt, ob man die Hühner freilassen könne, sagt der Vater nach einigem Überlegen und zaudern, dass er nun viel nachdenken müsse. Onkel Heini sagt daraufhin, dass er nun auch viel denken müsse und wiederholt seine Erklärung des „Wirklichen Fortschritts“.

Das geniale an der Serie ist, dass die Kinder keine professionellen Kinderdarsteller sind, sondern „Statisten“, also Kinder, die sowieso in dem Dorf in der realen Welt leben. Das merkt man an den spontanen Dialogen, denn die Versprecher der Kinder sind nicht aus der Serie geschnitten worden. Die Kinder waren nicht älter als zehn, viele unter fünf. Der Ort Uhlenbusch ist fiktiv, und die Folgen spielen in zwei verschiedenen realen Dörfern, was man in der Serie nicht merkt.  Die Serie spielt in Loccum und Umgebung, das liegt in der Nähe von Nienburg an der Weser im Weserbergland. Die Höfe in Uhlenbusch sehen so aus, wie ich mir als Kind immer alte Bauernhöfe vorgestellt habe; urig, teilweise riesengroß und manchmal baufällig. Jede Folge dauert 30 Minuten und beginnt mit dem legendärem Titellied: „Gockel Konstantin“.

 

Das Lied und einen kurzen Ausschnitt aus der Serie kann man bei youtube sehen und hören.

Die entspannende Musik unterstützt sehr gut traurige Szenen und kann aber auch temporeich werden bei albernen Szenen. Die Albernheit einiger Kinder in einigen Szenen ist unnachahmlich und hervorragend in Szene gesetzt. Die Albernheit, die ich bei Kindern sehr schätze, ist in Uhlenbusch nicht übertrieben und hektisch dargestellt; nein, sie baut sich ganz langsam, fast ganz von alleine, auf. Auf dem Höhepunkt der albernen Szenen kann man dann in entspannte und lachende Kinderaugen sehen, und nachdem die Albernheit abgeflaut ist, herrscht eine friedliche Stimmung, ganz frei nach dem Motto: „Friede, Freude und Eierkuchen“. Die realitätsnahen Geschichten haben nichts von ihrer Gelassenheit und ihrem Charme eingebüßt. Sie vermitteln Kindern wie Erwachsenen heute noch auf unterhaltsame und pädagogisch wertvolle Weise wichtige Werte und hilfreiche Lösungsansätze, um alltägliche Probleme zu meistern und das Verständnis zwischen den Generationen zu verbessern.

Der Schauspieler Hans Peter Korff, bekannt auch aus der Serie: „Adelheid und ihre Mörder“, spielt den Onkel Heini. Er liest heute ab und zu Geschichten von Joachim Ringelnatz vor und war sogar schon einmal in meinem Wohnort in norddeich.de Im DeutschenFilmhaus  gibt es eine umfangreiche Bio-und-Filmographie des Schauspielers zu lesen.

In einer der Folgen spielt sogar Moritz Bleibtreu mit!

Dies ist das Cover von dem Hörspiel zu der gleichnamigen TV-Kinderklassiker Serie, dass ab und zu bei ebay.de angeboten wird:

Und in der wunschliste.de stehen über 100 jubelnde Kommentare über meine Lieblingsserie.

Allen Fans oder zukünftigen Fans von Uhlenbusch kann ich wärmstens diese Komplett 6 DVD Box (Spielzeit: über 19 Stunden!) mit allen 40 Folgen der Serie empfehlen, die nach jahrelangem Hoffen und Warten nun endlich bei ebay und amazon erhältlich ist: