Zwei Fremde im Zug

Inhaltsangabe:

Zwei Fremde im Zug - das sind Guy Haines und Charles Bruno - sitzen einander während einer langen Zugfahrt in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts gegenüber und kommen ins Gespräch. Zwei Menschen im fast gleichen Alter, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Trotz ihrer unterschiedlichen Mentalitäten gesellen die beiden sich zusammen, essen gemeinsam und betrinken sich zusammen. Während dieser Ausnahmesituation erzählt das Enfant terrible Charles Bruno dem weltmännischen Guy Haines von seinem Wunsch, etwas Außergewöhnliches zu leisten.

Das ungleiche Paar unterhält sich über die kleinen Sorgen; Bruno über seinen Vater, den er hasst, Guy über seine Ex-Frau Miriam, die einen anderen hat.

Dennoch unterscheidet sich dieses Gespräch von den anderen. Denn Bruno hat einen Einfall, eine fixe Idee. Er schlägt Guy vor: "Sie bringen meinen Alten um und ich töte ihre Ex-Frau" - der perfekte Mord: Kein Motiv, denn der einzige Verdächtige hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Und niemand wird Guy und Bruno in Zusammenhang bringen, da sie einander nicht kennen können... Guy hält das ganze Gerede für heiße Luft" und vergißt schon beim Aussteigen aus dem Zug Bruno und seinen absurden Plan. Doch Bruno lässt die Idee nicht mehr los.

Einige Tage später rief Mrs. Haines ihren Sohn Guy Haines in Mexiko an und teilt ihm mit, dass Miriam ermordet wurde. Guy fährt sofort nach Metcalf. Er weiß nicht, was er denken soll. Hat Charles den ersten Teil seines verrückten Plans in die Tat umgesetzt? Das kann Guy nicht glauben. Soll er der Polizei sagen, was er weiß? Guy ist unschlüssig.

Nach dem Tod von Miriam setzt Charles Guy ständig nach und versucht ihn wiederzusehen. Inzwischen ist Guy überzeugt, dass Miriam von Charles erwürgt wurde. Charles Bruno gib es nicht nur gegenüber Guy zu, sondern erwartet vielmehr, dass Guy nunmehr seinen Teil der angeblichen Abmachung erfüllt. Als Guy damit droht, zur Polizei zu gehen, warnt Charles ihn, er werde in diesem Fall aussagen, Guy habe ihn zu dem Mord angestiftet. Sie kämen also beide vor Gericht..... Nun nimmt die Geschichte ihren Lauf.......

Rezension:

Hans Eckardt  (Leiter der Deutschen Blindenhörbücherei in Marburg), der Grand Senior der Vorlesekunst, liest das Buch mit ruhiger und ausgeglichener Stimme, ohne dass es dem Zuhörer langweilig wird. H. Eckardt betont nicht jeden Hauptcharakter mit einer eigenen, unverwechselbaren Tonart, sondern, liest gleichförmig. Aber dafür drückt er mit seiner Stimme die Gefühlsschwankungen von Guy und Bruno sehr stark aus.

Zu Beginn hört man wie Guy die aufdringliche Freundschaft belächelt. Später plagen Guy Schuldgefühle wegen seines Mordes, den er begangen hat. Guy´s Schuldgefühl-Monologe spricht H. Eckardt mit verzweifelter Stimme, so dass die Atmosphäre der Story in Traurigkeit umwechselt. Bruno´s Charakter spricht er kühl, zynisch und abgeklärt, aber während Bruno´s innerer Monologe ändert sich Eckardts Tonart in eine ganz feine, seichte und vorsichtige fast schüchterne Stimme. Diese feinen, atmosphärischen Schwankungen in der Stimme von Eckardt machen das Hörbuch zu einem Hochgenuß.

Die Lesung ist teilweise so spannend, dass ich fast Kerzengrade im Bett stand, als ich sie dort hörte. Besonders die Szene, in der Guy den Vater von Bruno erschießt, ist hoch spannend. Beim hören des Texts entsteht eine leicht schwebende Stimmung, während Guy im dunklem Raum die Pistole auf den schlafenden Vater richtet. Guy ist sich sogar noch kurz vor bevor er den tödlichen Schuß abgibt unschlüßig darüber, ob er den Vater tatsächlich töten soll oder nicht. Diese Unschlüssigkeit wird von H. Eckardt meisterhaft in Szene gesetzt. Guy hadert Wochenlang damit, ob er den Mord begehen soll oder nicht.

Guy und Bruno sitzen eines Nachts auf einem Bett in einem stockdunklem Raum, in dem eine knisternde Spannung liegt. Bruno fragt Guy ob er nun so weit wäre und da sagt Guy nur einziges Wort: "Ja!" und die fühlbare, bedrohliche Spannung in dem Raum löst sich auf. Als Guy bemerkt, dass es mit seiner Beziehung zu seiner geliebten Anne, nicht mehr zum Besten steht, tritt große Verzweiflung in Guys Leben ein. Die Gesprächsszenen zwischen Anne und Guy werden mit warmer Harmonie und voller Liebe vorgetragen. Man spürt, dass zwischen den beiden Funken fliegen und das es in ihrer Beziehung knistert. In den Gedanken- Monologen von Guy schweift er weit ab, sogar soweit, dass er über Elementarteilchen spricht.

Die Tiefe der mentalen Zweikämpfe der beiden Protagonisten drückt H. Eckardt wundervoll mit seiner charismatisch und sympathischen Stimme aus. H. Eckardts Stimme erreicht eine fast plastisch greifbare Dimension, die diese Lesung zu einem spürbaren und unvergesslichen Erlebnis macht. H. Eckardt spricht leise, dezent und unaufdringlich. Ohne Schwierigkeiten erkennt der Zuhörer dennoch, welcher Charakter gerade spricht. Dabei verändert er seine Stimme nicht auffällig, das ist eine große Kunst! Die Lesung ging tief in mein Gefühls-Empfinden und wühlte meine Gefühle auf und hat zutiefst mein Herz berührt, weil H.Eckardt so herzlich liest. Guys Gedanken werden förmlich zu den eigenen - seine Seelenqual und seine Versuche sich vor sich selbst zu rechtfertigen. Auch Brunos wahnwitzige Gedanken kommen einem erstaunlich nahe.

Es folgen nun Links zu Rezensionen über den Film: "Der Fremde im Zug" den Alfred Hitchcock nach Patricia Highsmith´s Krimi 1951 gedreht hat (im Film kommt die Tiefe der mentalen Zweikämpfe der beiden Protagonisten allerdings nicht so gut zur Geltung wie in der Lesung, der Film glänzt dafür mit den ausgezeichnet spielenden Schauspielern: Farley Granger spielt Guy Haines und Robert Walker spielt Bruno Anthony:

ofdb.de   filmstarts.de   arte.tv   filmzentrale.com  

dieterwunderlich.de   members.liwest.at   german.imdb.com  

Die Lesung, das Buch und den Film kann man bei amazon.de und auch bei ebay.de kaufen. Laufzeit: 648 Min.

Hans Eckardt Infos und Links:

Hans Eckardt Biographie

Sprecher Info mit Auflistung seiner Lesungen

Verlagsportrait des hoerbuecher4um.de Verlags, wo man Fotos sehen kann die während einer Hans Eckardt Lesung entstanden sind

  

Nun möchte ich noch auf weitere herausragende Lesungen von Hans Echkardt hinweisen. Am besten haben mir seine Science-Fiction-Klassiker gefallen die er vorgelesen hat, in denen er eine unheimliche Spannung aufbaut. Besonders gut wird das in Die Mars-Chroniken von Ray Bradbury deutlich, fast ganz am Ende wo ein fast unglaubliches und faszinierendes Finale auf den Hörer wartet. Unvergessen auch bleibt mir die Rolle des Feuerwehrmanns Guy Montag in Erinnerung, in Fahrenheit 451, auch von Ray Bradbury. Die Szene in der Guy Montag auf der Flucht durch einen Fluß, vor Erschöpfung eher watet und kriecht, anstatt zu schwimmen, hat eine starke Intensität und eine enorme Wirkung auf den Hörer. In Schöne neue Welt von Aldous Huxley verschmilzt H. Eckardts Stimme mit der Story dermaßen gut, dass mir im geistigen Auge die Fabrikhallen in der schönen neuen Welt direkt vorschwebten. Dann gibt es noch Flucht zum Mars von Herbert W.Franke, welches mit einer gigantischen Szene in einer Kristallhöhle glänzt. H.Eckardt spricht den "Traumflug" eines Astronauten, der in der Kristallhöhle in einem ohnmachtsnahen, phantastischen Traumschlaf fällt, mit viel Gefühl und so starkem Ausdruck, dass ich durch die Augen des Astronauten mit in seine Traumwelt blicken konnte. Sogar eine Novelle von Adelbert von Chamisso gibt es gelesen von H.Eckardt. Es ist Peter Schlemihls wundersame Geschichte, in der Herr Eckardt die Hörer mit leichter Ironie in die Welt des Peter Schlemihls verführt. Eine phantastische Erzählung um einen verkauften Schatten, die den Hörer in eine märchenhafte, zauberische Welt entführt, in der sich Liebe und Teufel, Gold und Siebenmeilenstiefel, Zauberei, Freundschaft und Treue zu einer unterhaltsamen Geschichte zusammenfügen.

Hans Eckardt herausragende Lesungen Rezensionen:

Herbert W. Franke Flucht zum Mars:

ciao.de und hoerbuch.de  

Ray Bradbury Fahrenheit 451:

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phantastik-news.de   dooyoo.de   fictionfantasy.de   hoerbuecher4um.de

Ray Bradbury Die Mars-Chroniken:

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Aldous Huxley Schöne neue Welt:

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